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Der Phönix
Da stehst Du. Das Wasser umspült die Füße. Rechts und links, jeder Fußspann ist tätowiert. Dann schaust Du hoch und lächelst. Die Schulter und Oberarme großflächig mit Tattoos bedeckt. Der Phönix, der auf dem Rücken ist, den kann man nicht sehen. Er liegt im Verborgenen. Er geht von der Schulter oben, halb über den Rücken herunter. Er kam nach dem alles zusammenbrach. Ich habe lange gebraucht, um es zu verstehen.
Ich lächele. Milde. Dann muss ich etwas schmunzeln. Ein Tattoo macht Dich nicht zu einem aufregenden Menschen. Du wirst nicht böser durch die Menge an Bildern auf Deiner Haut.
Bei manchen Menschen sind Tattoos das Abbild der Wunschvorstellung. Das, was sie sein wollen. Bei anderen hat der Tätowierer nur das nachgezeichnet, was die Person bereits in sich getragen hat.
Das Erste hast Du Dir auf die Fußfessel gemacht. Ich glaube, es war eine Art Befreiungsschlag. Du wolltest mir imponieren. Mich beeindrucken. Mir zeigen, ich kann das auch. Ich weiß es nicht. Es ist eine Vermutung.
Und während Deine U-Bahn zu diesem Termin unter mir durchfuhr, saß ich bei dem Japaner eine Ebene darüber in der U-Bahnstation und hatte Sushi. Ich erinnere mich daran, weil ich wusste, dass Du genau in diesem Zeitraum in der U-Bahn gesessen hattest. Das hat sich in meinen Kopf eingebrannt. Und ich erinnere mich an die Braunhaarige, die bei mir war. Die langen gelockten Haare. An den halblangen anthrazitfarbenen Mantel und die Beine, die in schwarzen Stiefeln steckten. Sie hatte einen kurzen schwarzen Rock an. Nichts drunter. Und während man Dir die Linie auf die Fessel zeichnete, fiel der anderen der Reis mit dem Fisch in die Soja Sauce, als ich zwei Finger beim Essen, am Tisch, in sie hineinschob.
Dann hast Du Dir die langen Haare abschneiden lassen. Und ganz ehrlich, es sah scheiße aus. Aber ich habe es verstanden. Ich bin mir sicher, dass man manche Dinge durchlaufen muss, um wiedergeboren zu werden. Man ändert Dinge, die jemand anderen an einem gefallen haben. Das alte verletzte ich abstreifen. Sich häuten.
Nicht die Tinte auf der Haut macht einem zu einem bösen oder wilden Menschen. Es ist der Kopf. Die Gedankenwelt. Das Tun. Das Perfide. Der Abgrund. Die Bereitschaft nicht nur in den Abgrund zu schauen, sondern sich einfach dort hineinfallen zu lassen. Der Unterschied ist genau ein Schritt.
Einmal sind wir beide am Abgrund vorbei getanzt. Du wirst Dich nicht mehr erinnern, aber ich weiß es noch sehr gut. Das hat sich in meinen Kopf eingebrannt. Ich habe dieses Bild bis heute vor meinen Augen. Und ich würde heute behaupten, Du hast in diesem Moment länger als 5 Sekunden mit diesem Gedanken gespielt, weil Du genau das Gleiche im Kopf hattest. Ich bin dieses Bild bis heute nicht losgeworden. Es hat sich bei mir eingebrannt. Noch heute 25 Jahre später, sehe ich diese Szene in meinem Kopf. Spule sie vor und zurück. Beinahe wärst Du in meiner Welt gewesen, die kaum jemand gesehen hat.
Erinnerst Du Dich an unser erstes Date? Ich muss bis heute über den Abend lachen. Es das beste schlimmste erste Date, was man haben kann. Du hast mir alles gesagt, was Du nicht wolltest. Und jeder Punkt war ein Teil von mir. Und als wir uns trennten an dem Abend, dachte ich, ich würde Dich nie wieder sehen und machte einen Haken hinter diese Geschichte. Und genau eine Woche später warst Du wieder da. Als ich Dich nach dem Warum fragte, sagtest Du nur: Du bist nicht langweilig. Ich frage mich manchmal, ob es vielleicht nicht besser gewesen wäre, hättest Du die Langeweile vorgezogen.
Ich freue mich heute für Dich. Für Dein Leben. Für Deine Familie. Und… das Du einen Kerl bekommen hast, der Dich auf Händen trägt und Dir das gibt, was Du willst.
Aber das, was man will und das was man braucht sind zwei verschiedene paar Schuhe. Und niemand weiß das so gut wie ich. Darum schaust Du immer noch. Nach mehr als 1 1/2 Jahrzehnten. So wie ich schaue, aber nicht zu Dir. Ich schaue in den Abgrund. Und er schaut mich an.
Und während ich Dir das hier erzähle, schlendere ich mit einem Kanister Benzin herum und einem Feuerzeug in der Hand.
Die Feuervögel werden aus der Asche geboren. Dann, wenn alles niedergebrannt wurde. Aber dafür braucht man jemanden der das Feuer legt. Den Brandstifter. Dem das Gewissen fehlt.
Wenn man nicht gewinnen kann, ist es nur noch die Frage, wie viele man mitnimmt.
Die Geschichte, die nie erzählt wurde
Es war Januar. Eine Woche zuvor hatte es geschneit. Dann war es kalt geworden. Richtig kalt. Arschkalt. Mit festgetretenem Schnee, der sich sich in spiegelglatte Eisflächen verwandelte. Zu einer festen Masse zusammengefroren. Da war dieses Restaurant. Ich kannte es, weil sie einen hervorragenden Mittagstisch anboten. Ab und an bin ich dort mit einer Kollegin essen gewesen. Als die Truppe aus der Vorlesung für Einkommen- und Umsatzsteuer auf die Idee kamen, man könnte doch einmal gemeinsam etwas essen gehen, hatte ich mich bereit erklärt, ein Lokal auszusuchen und einen Tisch zu reservieren. Und ich wählte eben genau dieses. Es war perfekt.
Es war eine verrückte Zeit. Ich lebte auf der Überholspur und in einer ziemlich verrückten Konstellation. Ein paar Jahre zuvor hatte ich Schatz geheiratet. Dann tauchte Hase auf der Bildfläche auf. Gruppenleiterin im Rechnungswesen. Wir hatten uns recht gut verstanden und so ergab irgendwann das Eine das Andere.
Es kam wie es kommen musste. Die Sache wurde kompliziert. Aber anstatt, dass es eine Entscheidung zu fällen gab, lernten die Damen sich kennen. Und sie verstanden sich dermaßen gut, dass sich daraus eine halbwegs stabile Kiste entwickelte. Das ging soweit, dass wir sogar gemeinsam in den Urlaub flogen. Ich, Schatz und Hase auf Abenteuerurlaub in Bulgarien. Mit einem Abstecher per Bus nach Istanbul und wieder zurück. Was für ein Urlaub. Selbst ihren Geburtstag hatten die Frauen mit dem gemeinsamen Freundeskreis gefeiert. Es war schon ein bisschen verrückt.
Hase, die diese Vorlesungen mit mir besuchte, war den Abend ebenfalls dabei. Schatz hatte damit nichts zu tun und war zu Hause geblieben. Es war ein netter Abend. Das Essen war gut. Hase bestand und bekam ihre Flasche Wein zum Essen. Und selbst die Gespräche mit den Anderen am Tisch verliefen ohne größere Schwierigkeiten. Eine runde Sache. Ein richtig entspannter Abend.
Es war schon etwas später. Die ersten hatten bereits bezahlt und waren aufgebrochen.
„Ja, war es das jetzt schon?“, fragte Nikki in die Runde. Blonde, schulterlange Haare. Sie hatte ein einnehmendes Wesen und war herrlich direkt. Immer ein Lächeln im Gesicht. Wir fuhren oftmals Abends gemeinsam die gleiche U-Bahn Linie nach Hause. Sie liebte die Geschichten aus dem Büro vom bockigen Etwas. Ich erzählte sie immer. Im Grunde genommen bekam sie erzählte Blogposts. Sie leitete die Buchhaltung in einem kleineren Mittelstandsunternehmen.
„Eigentlich könnte man doch noch etwas starten“, fragte Hikmet. Der kleine Türke in der Gruppe. Ein netter Kerl. Ende 20. Ebenfalls verheiratet. Seine Frau eine Bildhübsche. Träumte von einer Laufbahn als Steuerberater. Zumindest wollte er das machen. Visionen hatte er. Das muss man ihm lassen. Fachlich war er nicht so sattelfest. Ich mochte ihn. Er war immer Feuer und Flamme wenn es um irgendwelche Unternehmungen ging. Gehörte zu der Sorte von Menschen, die schnell zu begeistern waren.
Ich sagte nichts. Schaute nur in die Runde.
„Also für mich ist das nichts“, sagte Hase. „Ich bin da raus.“ Dann schaute sie mich an. „Ich wünsche Dir noch viel Spaß. Du gehst sicher mit. Ich kenne Dich doch.“
Mir gegenüber saß der braunhaarige Lockenkopf mit den pastellgrünen Augen. Der sagte nichts. Legte den Kopf schräg und nickte nur dazu.
„Wisst ihr was? Wie gehen ins M!“ Nikki beugte sich über den Tisch nach vorne und die Begeisterung stand ihr in den Augen. „Ich habe Bock auf Feiern.“ Alle schauten sie an. Sie hatte diesen irren Blick drauf, den sie sonst nur in der Vorlesung zum Steuerrecht hatte. „Das soll echt super da sein“, sagte sie.
Ich löste mich und Hase aus. Bezahlte das Essen und den Wein. Zog meinen Mantel an und stapfte mit den verbleibenden anderen Drei durch die Kälte in Richtung der größten Diskothek der Stadt.
Wir waren zu früh da. Der Laden war noch nicht einmal zur Hälfte voll. Wir deckten uns mit Getränken ein und wanderten durch die unterschiedlichen Bereiche. In dem größten Raum, wo die Musik am Lautesten war blieben wir an einem Stehtisch hängen. Da standen wir nun. Ich entschied, es wäre eine gute Zeit für weitere Drinks. Ich trottete an die Bar. Wartete bis ich an der Reihe war. Bestellte bei einer kleinen Blonden 4 Caipis. Ich bezahlte und war großzügig mit dem Trinkgeld.
Da standen wir und glotzen durch die Gegend. Die Musik war so laut, dass man sich nicht vernünftig unterhalten konnte. Also sprach jeder mit dem, der gerade neben ihm stand. Nikki und Hikmet waren aufgedreht, redeten und gestikulierten dabei wie die Verrückten. Ich stand neben der Braunhaarigen. Sie trug Schuhe mit hohen Absätzen. Solche wo die Schlaufen um die Fußfesseln gehen. Nylonstrumpfhose. Der Hintern steckte in einem wirklich kurzen dunkelgrauen Rock, den ich vorher gar nicht so wahrgenommen hatte. Darüber trug sie eine schwarze Bluse. 2 Knöpfe aufgeknöpft. Ein tiefer Einblick. Die braunen Haare waren gelockt und lagen auf ihren Schultern auf. Der Lippenstift war dezent und die Augen waren nur leicht betont. Sie schminkte sich nur wenig. Sie war ein eher dunkler Typ. Man hätte sie leicht für eine Italienerin halten können. Aber dann waren da diese pastel-grünen Augen.
Wir fingen an uns zu unterhalten. Sie saß seit einem dreiviertel Jahr neben mir in den Vorlesungen und ich wusste nichts über sie. Sie arbeite in einem Steuerbüro. Besaß ein Pferd. Hatte eine Leidenschaft für das Segeln. Hatte ein kleines Boot an einem der Seen in der Umgebung und eine Ferienwohnung in den Bergen. War noch keine Dreißig. Das junge Ding hatte einen wesentlich älteren Freund.
Ich war gut gelaunt. Ich wollte Feiern. Ich wollte trinken. Also holte ich wieder bei der kleinen Blonden vier Drinks. Bezahlte. Und gab wieder großzügig Trinkgeld.
Die Musik wurde fetziger. Die Bässe wummerten. Ich sprach kurz mit dem kleinen Türken. Dann auch mal mit Nikki. Dann wieder mit dem Lockenkopf.
Ihr großes Ziel. Steuerberater. Mal eine eigene Kanzlei.
Ich war durstig. Ging zur Bar. Platzierte mich in der zweiten Reihe und wurde von der kleinen Blonden über die erste Reihe hinweg sofort nach meinen Wünschen gefragt. 4 Caipis. Ich konditionierte mit einem guten Trinkgeld.
Ich erzählte ein bisschen was von mir. Sie erzählte ein bisschen was von sich.
Die Getränke verdunsteten förmlich. Ich ging zur Bar. Ohne ein Wort zu sagen, stellte mir die Blonde 4 Caipis hin. Keine Wartezeiten mehr. So mag ich das. Ich zog einen Schein aus der Tasche bezahlte. Gab Trinkgeld.
Ich war mittlerweile etwas angetrunken. Ich musterte den Lockenkopf. Ich blickte auf ihren Hintern. Als ich meinen Blick von ihm nahm, bemerkte ich, dass sie mich ansah.
„Was denkst Du?“, wollte sie wissen und nahm den Strohhalm zwischen ihre Lolitalippen.
„Was für ein hübscher Arsch… „, antworte ich und hob das Glas als würde ich einen Toast auf ihren Hintern aussprechen.
„Gefällt er Dir?“
„Das tut er!“
„Meinem Chef nicht!“
„Nein?“
„Mein Freund trinkt am Wochenende lieber, als mit mir Sex zu haben. Also dachte ich, ich versuche es mal bei meinem Chef.“
„Das ist nicht Dein Ernst?“
„Doch. Ich habe mich zurecht gemacht und habe versucht ihn anzumachen… das hat nicht funktioniert. Ich habe den kürzesten Rock angezogen, den ich hatte. Und eine Bluse. Weit aufgeknöpft. Er hat mich nicht angefasst.“
„Hat er nicht?“
„Nein. Hat er nicht!“
Ich stutzte. Ich hatte einen sitzen. Hatte ich richtig gehört?
„Also ich hätte zugefasst!“ Ich machte eine Pause. „Und ich hätte Dich gleich auf dem Schreibtisch gevögelt.“
Sie sagte nichts und sah mich nur an.
Ich sah an ihr herunter. Mein Blick blieb an ihrem Hintern kleben. Ich überlegte kurz. Egal. Streckte meine Hand aus und griff zu. Packte fest zu und ließ meine Hand auf der Wölbung des Rockes liegen..
Sie sagte nichts. Schaute mich nur an. Lächelte kaum merkbar. Dann rutschte sie näher an mich ran und legte einen Arm um mich.
Hikmet und Nikki waren schon jenseits von Gut und Böse. Sie tanzten. Prosteten uns zu. Lachten. Scherzten. Feierten und waren guter Dinge. Und ziemlich betrunken.
Ich holte noch weitere Getränke. Genau genommen bezahlte ich den ganzen Abend. Aber es war mir egal. Ich war gut drauf. Es fühlte sich alles gut an. Es war wie ein Rausch. Wir tranken. Wir klebten aneinander. Wir waren total betrunken. Es muss irgendwann gegen halb drei Uhr morgens gewesen sein, als wir aufbrachen. Ich war voll wie ein Eimer und hatte den braunhaarigen Lockenkopf im Arm. Nicki zog Hikmet Richtung Ausgang, der irgendwann zu viel Testosteron in der Blutbahn hatte und anfangen hatte, jedes weibliche Wesen dass an unserem Tisch vorbei kam anzusprechen und versuchsweise anzufassen.
Als wir den Laden verließen winkte ich der kleinen Blonden hinter dem Tresen zu. Sie kam hinter hervor und lief zu mir rüber. „Kommst Du öfter hier her?“, fragte sie. Ich verneinte. Und noch während ich neben der Braunhaarigen stand, drückte sie mir einen Kuss auf und meinte, ich sollte wirklich dringend wieder kommen. Keine Ahnung, wieviel Trinkgeld ich den Abend gegeben hatte. Mir war es egal. Und ich betrat den Laden auch nie wieder.
„Kommt…“, sagte Nicki. „Raus hier. Ich habe meinen Mann angerufen. Der holt uns alle ab.“ Sie lachte. Hatte den kleinen Türken im Arm und bewahrte ihn vor weiterem Unfug.
„Wo musst Du hin?“, fragte ich den braunhaarigen Lockenkopf.
„Zum Bahnhof. In die S-Bahn“, sagte sie. Sie beugte sich vor. „Lass uns zu Fuß gehen“, flüsterte sie und küsste mich.
„Nicki?“
„Ja“
„Wir gehen zu Fuß!“, rief ich.
Hikmet ruderte mit den Armen. „Warum wollt ihr zu Fuß gehen?“
„Die beiden gehen zu Fuß.“ Nicki lachte. Sie lachte wie sie immer lachte. „Komm… wir müssen zum Auto.“
Die beiden stiefelten los. Aus dem Ausgang, hinaus in die Nacht und verschwanden irgendwo auf dem Parkplatz in einem Auto.“
Wir trotteten über den Parkplatz, gingen ein Stück die Straße gerade aus und bogen rechts ab. Von dort aus ging es immer gerade aus. Wir würden genau auf den Bahnhof zukommen.
Wir gingen Hand in Hand die Straße entlang. Wir waren betrunken. Wir lachten. Wir drehten uns um uns selbst. Blieben stehen und küssten uns. Arbeiteten uns von Hauseingang zu Hauseingang weiter den Weg zum Bahnhof vor. Wir brauchten eine Ewigkeit. Am Bahnhof gegenüber blieben wir vor einem Hotel stehen. Ich schaute sie an.
„Lass uns hier bleiben. Wir nehmen uns einfach ein Zimmer. Bleiben hier. Einfach so“, sagte ich. Ich hatte die Kreditkarte schon aus der Tasche gezogen und wollte sie an die Rezeption ziehen. Ich hatte das Gefühl am Leben zu sein. Ich fühlte etwas. Und ich war total betrunken. Sie hielt mich fest. Zog mich an sie ran. Sie griff an die Revers meines Mantel und küsste mich.
„Nein, ich kann nicht. Ich muss nach Hause. Ich muss jetzt die erste S-Bahn nehmen. Ich bekomme so schon einen riesen Ärger.“
„Aber zum Teufel… wen interessiert Ärger, wenn man…..“, ich wollte groß ausholen aber sie stoppte mich.
„Nein“, wiederholte sie. Wieder küsste sie mich und ich starrte nur in diese traurigen grünen Augen.
Als sie in die S-Bahn stieg und sich noch einmal umdrehte, presste ich meine Hand an die Glasscheibe. Dann setzte sich der Zug in Bewegung. Ich ging noch ein paar Schritte mit. Dann war der Zug mit ihr weg.
Mir war kalt. Ich fror. Der Alkohol und die Müdigkeit taten ihr übriges. Ich nahm mir ein Taxi und zahlte 50 EUR um nach Hause zu kommen.
Ich würdigte den Abend am nächsten Tag mit einer Notiz in meinem Blog, den ich gute zwei Monate vorher im November des Jahres 2005 angefangen hatte. 3 Sätze.
Das dieser Abend mein Leben ändern sollte, wusste ich nicht. Dass dieses Erlebnis der Auslöser war, der alles bisher Dagewesene auf den Kopf stellen sollte, hätte ich mir nicht einmal im Traum erdacht. Die kommenden 4 Monate ließen kein Stein auf dem Anderen.
Ich verließ Schatz, ein Jahr später waren wir geschieden, und Hase und beendete damit das Dreiecksverhältnis, in dem ich lebte. Ich entledigte mich zweier Affären, die nebenher liefen. Und ja, die beiden Damen waren richtig sauer. Ich verlor durch mein Handeln meinen Jugendfreund, der sich von mir abwandte, weil ich in seinen Augen ein durchgeknallter Egomane war. Und alles nahm ich hin, weil ich glaubte etwas wiedergefunden zu haben, nach dem ich die letzten 15 Jahre vergeblich gesucht hatte. Und tatsächlich war ich für eine kurze Zeit wirklich glücklich. Trotz allem.
Ich bemühte mich wirklich aufrichtig treu zu sein, was mir auch für ein paar Monate gelang. Unter dem damaligen Gesichtspunkt und dem Lebensstil wirklich eine anerkennungswürdige Leistung.
Die Geschichten mit der Süßen füllten fast zwei Jahre einen ganzen Blog. Aber selbst das, war alles nur der Einstieg in ein noch viel größeres Abenteuer. Und das ist bis jetzt noch nicht zu Ende.
Heute ist Blog Geburtstag. Am 14.11.2005 saß ich im Büro. Im Büro in der großen Stadt im Süden. Zwei Tische weiter saß das bockige Etwas und während ich auf sie schaute, schrieb ich den ersten Post und Herr MiM erblickte das Licht der Welt.

Noch 83 unveröffentlichte Entwürfe von Posts, die ich dann doch lieber nicht veröffentlicht habe, liegen dort noch herum.
Und während das alles geschah, beobachtete mich das Ameisenmädchen. Aber das ist eine andere Geschichte.
Hallo, mein Name ist Herr MiM, und ich mache diesen Schwachsinn jetzt schon 19 Jahre. Und es werden noch einige Jahre dazu kommen.
Versprochen!
Für Schwachsinn war ich mir noch nie zu schade.
