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Epilog zum Prolog
Wenn man nach 3 oder 4 Jahren in die digitale Welt zurückkehrt, dann ist es, als wäre man 2-3 Jahrzehnte weg gewesen.
Ich bin durch die alte Blogger-Welt gegangen und kaum jemand ist noch geblieben oder existent. Der Rest? Verstreut in alle Winde.
Heute veröffentlichen Personen auf Instagram in ihren Stories das gleiche Bild wie in ihrem Feed. Fügen einen Sticker mit dem Label „New Post“ ein. Und meinen damit das Bild im Feed und zwei oder drei Zeilen Text dazu. Das, meine Damen und Herren, ist heute ein Post. Wenn Sie selbst einen Blog betreiben und Content selber entwickeln, dann werden Sie wahrscheinlich mein Störgefühl nochvollziehen können.
Die Zeiten ändern sich. Die Geschwindigkeit nimmt zu. Die Masse an Inhalt, wie auch immer die aussehen mag, ist in eine unüberschaubare Menge übergegangen mit einer unglaublichen Flüchtigkeit. Haben wir noch vor 10 Jahren als Blogger darüber gestritten ob ein bisschen Werbung in einem Blog okay ist oder nicht, ob die Nennung eines Markennamens bereits ein Verstoß gegen die guten Sitten ist, dann ist Werbung heute allgegenwertig. Sie wird sogar forciert und angestrebt. Man will einigen wenigen Influencern nacheifern und erhofft sich auch mit tausenden von Followern einen Teil des schnellen Geldes zu machen. Ist okay für mich. Jeder so wie er gerne mag.
Hier stehe ich. In der Haustür meines Blogs und schaue was vor der Tür auf der Straße so los ist. Und es ist wie in der Realität. Mir gefällt das alles nicht. Ich mag es nicht. Aber ich bin nunmal Bestandteil dessen. Man kann nicht nicht Bestandteil dieses Netzwerkes sein, wenn man sich in die Welt begibt. Unmöglich. Sich an den Rand drücken und das Treiben beobachten, ja, das geht. Aber das war es auch schon. Für mich sind die Dinge einfacher geworden, nachdem ich mich davon gelöst habe, die Welt danach zu beurteilen wie sie sein sollte, sondern sie so zu nehmen wie sie ist und in diesem Konstrukt das Beste für mich herauszuholen.
Der Blog ist so etwas wie das Kaufhaus in den Zeiten des Onlinehandels. Langsam, frisst Zeit und Aufwand, bei niedriger Besucher-Frequenz, bei der am Ende kaum etwas hängenbleiben wird. Hochgradig ineffizient. Die junge Generation würde es Zeitverschwendung nennen. Ich nenne es eine Form von Liebhaberei. Ich bin nun in einem Alter wo ich mir wider den Luxus des digitalen Oldtimers leisten mag.
Ich werde dieses Jahr 50. Ich nenne es das dritte Viertel. Ich mag äußerlich ruhiger wirken. Gelassener. Was in gewisser Weise auch den Tatsachen entspricht. Aber ich bin auch fokussierter. War ich früher erst höflich, dann unfreundlich und sortierte danach die Menschen aus, überspringe ich heute die ersten beiden Schritte. Tragen sie etwas bei, wenn nicht, stehen sie mir nicht weg herum. Lernen sie mit ihren Problemen klar zu kommen anstatt andere Mensche mit ihrem Gejammer über die eigene Unfähigkeit zu belästigen. Wenn ich mir ihre Probleme anhören wollen würde, dann wäre ich Therapeut. Bin ich aber nicht. Und ich kann Ihnen versichern, bei meinem Stundensatz wollen Sie das auch nicht. Mit meinem heutigen Mindset wäre ich auch sehr gut an der Telefonseelsorge für Suizid-Gefährdete einsetzbar. Ich würde alles daran setzen, dass die Betreffenden kein zweites Mal anrufen würden. Entgültig. Nett ist gerade aus.
Ist der Wahrscheinlichkeit nach die verbleibende Reststrecke kürzer als der bereits zurückgelegte Weg, gewinnt der in die Zukunft liegende Abschnitt wesentlich mehr an Gewicht. Und ich kann ihnen versichern, dass ich nicht vorhabe auf den letzten Metern noch der Gewinner eines Beliebtheitswettbewerbs zu werden. Der Zug ist abgefahren.
Blogs stammen aus der Urzeit und wir sind die Dinsosaurier in dieser Welt. Also hören wir auf uns in Posts im Mitleid zu wälzen und Texte über Selbstzweifel zu schreiben. Feiern wir uns. Schreiben wir Texte in denen wir uns berichten wie großartig wir sind. Wir sind die letzten unserer Art. Wir haben Myspace kommen sehen und wir haben erlebt wie es abgeschaltet wurde. Wir sind die, die überlebt haben. Survial of the fittest. Nur dass wir überlebt haben, gerade weil wir uns nicht angepasst haben und nicht jeden Scheiß mitmachen. Wir werden das Baby nach Hause bringen.
Hier bin ich wieder. Und das sind die Geschichten aus dem dritten Viertel.
Ach ja, eines noch, bevor ich es vergesse, es ist mir wichtig… Schmitti, es sind die Blowjobs und nicht der Cappuccino!
Prolog – Ein Wiedersehen mit Tony (V)
Das Gespräch eskalierte schnell. Wenn man nach Zielen gefragt wird, was man zur Organisation beitragen könnte und darauf hin antwortet, dass das Verlassen dieses Unternehmens DAS Hauptziel sein, weil der Arbeitsgeber die geistige Gesundheit gefährdet und man sich schließlich davor schützen muss, untergräbt man minimal die Position des Gegenüber. Meine Aussage, dass ich für solche Menschen und ihrem Mindset wie hier und zum Beispiel meinem Gegenüber nicht arbeiten mag, weil alles an ihm meinen persönlichen Werten widersprach, machte es nicht besser. Wenn die fachliche und intellektuelle Beleidung so groß und unträglich wird, kommt man irgendwann an den Punkt, an dem man Handeln muss, weil man sich ansonsten niemals wieder selbst in die Augen sehen kann.
In diesem Gespräch gab es Momente, die sich für eine Sozialstudie geeignet hätten. Man hatte mich umgehängt und mir einen neuen Chef vorgesetzt. Sie stand in dem Raum, ringte um Fassung und rief immer wieder die Frage laut in dem Raum, warum ich nicht für sie arbeiten wollen würde? Ich ignorierte sie was sie immer lauter werden ließ. Die Kontrolle entglitt ihr. Ich rede nur mit der nächst höheren Ebende, die ebenfalls im Raum anwesend war. „Ich habe es ihnen gesagt. Für diese Person werde ich nicht arbeiten. Ich habe ihnen gesagt, wenn sie das tun werden, dann werden wir echte Probleme haben und ich habe ihnen die Gründe mehrmals dargelegt.“ Die Dame zu meiner Linken rief immer noch ihre Frage zum zwanzigsten Mal in den Raum. „Ich habe ihnen gesagt, dass ich für diese Person nicht arbeiten werde. Punkt.“
Wenn Sie sich nun fragen, was mein Problem gewesen ist, dann nenne ich ihnen zwei Dinge. Fachlich eindimensionale Ausrichtung. Wenn Menschen nicht in der Lage sind über die Grenzen hinaus zu schauen und darum nicht in der Lage sind ihren Job ordentlich zu machen. Und ein menschliches Benehmen unter aller Sau. Ein Chef, der in Gegenwart von Kollegen, über einen Mitarbeiter herzieht und diesen als dumm betitelt und/oder sich hochgradig abfällig äußert, der gerade den Raum verlassen hat, wird es mit jeden anderen, genau so machen. Auch mit ihnen. Mit jedem. Das steckt in solchen Menschen drin. Und ob sie dies nun glauben oder nicht, für solche Menschen arbeite ich nicht.
„Herr MiM, sie haben einen Vertrag. Sie müssen arbeiten.“
„Sie werden sehr überrascht sein, wie wenig ich ´muss´ in meinem Leben.“
Das Gespräch wurde abgebrochen. Man wollte sich beraten und später noch einmal mit mir reden. Ich ging zurück an meinen Arbeitsplatz und setzte mich. Ich schaute vor mich hin. Dachte 15 Minuten nach und entschied mich, dass das verweilen hier an Sinnlosigkeit nicht mehr zu überbieten wäre. Ich packte meine Sachen und ging. Eine halbe Stunde später saß ich irgendwo in einem McDonalds Restaurant auf einer Autobahnraststätte an der A2. Big Mac, Fries und eine Coke Zero wegen der Kalorien.
Wenn man solche Dinge tut, gibt es zwei Dinge die man unbedingt beherzigen sollte. Das ist wichtig. Wenn man einen Raum betritt und mit der Pistole wedelt muss man den Arsch in der Hose haben, auch abzudrücken. In der Konstellation zu bluffen ist grob fahrlässig. Wenn man alles anzündet, dann sollte man immer aus der Position der Stärke heraus handeln. Die zweite Sache ist, dass man auf sicherem Grund steht und einen Plan hat, wenn man in die offene Auseinadersetzung zieht. In diesem Fall, sollte man einen neuen Arbeitgeber in der Hinterhand haben. Macht die Sache einfacher. So großartig und unterhaltsam sich das alles lesen mag, so belastend ist es in der Situation selbst. Wenn Sie wissen, wie es ist, wenn das Adrenalin so wirkt, dass es beginnt das Sichtfeld zu beeinflussen, dann haben Sie eine ungefähre Vorstellung von der Situation.
Um die eigenen Nerven zu schonen, riet mir Tony, nicht wieder an meinen Arbeitsplatz zurückzukehren und das Streiten jemanden anderen zu überlassen. Es gibt immer jemanden der das besser machen kann als man selbst. So übergab ich meine Sorgen einer Person, der an einer Universität Jura studiert hatte und entschied mich meinen Arbeitsplatz nicht wieder aufzusuchen. Vier Monate später, nach einigem Hin und Her, endete das Arbeitsverhältnis.
Immer wenn man denkt, man hätte schon alles erlebt, dann zeigt das Leben einem etwas Neues.
Als ich mich im Januar zurücklehnte und mich fragte, wie ich all die ganze Zeit füllen sollte, bis ich den nächsten Job antreten sollte, und glauben Sie, ich hatte eine Menge Ideen, hatte ich die Rechnung ohne einen chinesischen Koch gemacht, der mit einer gut gewürzten und abgeschmeckten Fledermaussuppe, alles ein bisschen durcheinander bringen sollte.
Als ich wusste, was ich mit all meiner freien Zeit machen würde, schickte man das Land in den Lockdown und der Kindergarten die Kinder nach Hause. So viel zu einer entspannten Zeit bis zum nächsten Job.
Ich kontaktierte Tony. Und Tony war für mich zu stelle. „Und was mache ich nun“, fragte ich Tony einige Tage bevor ich in der Mitte des Jahres 2020 meine neue Aufgabe beginnen sollte. „Dieses Mal mein Lieber“, sagte er mit strenger Stimmer, „dieses Mal machst Du es richtig! Es reicht nicht zu wissen was Du willst. Tu was Du weißt. Schaue Dir an ob Deine Entscheidungen Dich Deinem Ziel näher bringen oder nicht.“
Ich trat meine neue Stelle an, mit dem guten Gefühl genügend Toilettenpapier eingelagert zu haben. Ich machte wesentliche Schritte nach vorne. Für das eigene Empfinden zu schnell. Für andere die logische Konsequenz meines Weges und meines Handelns, die weniger überrascht waren von dem was da passieren sollte.
Ich hole mir immer noch viel Rat bei Tony. Aber ich habe eines gelernt.
Man muss vorsichtig sein was man sich wünscht. Es könnte wahr werden.
Prolog – Ein Wiedersehen mit Tony (IV)
Es wäre Irrsinn zu sagen, dass ich ohne Tony heute nicht da wäre, wo ich bin. Das kann niemand sagen. Aber er hatte einen massiven Einfluss auf mein Handeln und vor allem auf das Wie ich handelte.
In den letzten zwanzig Jahren sah ich Tony immer mal wieder. Meistens nur kurz. Wir tauschten uns kurz aus, aber irgendwie kam ich nicht weiter. Mit mir. Meinen Themen. Und überhaupt.
Im Jahre 2019 war der Karren dann in den Dreck gefahren. Ich hatte aus der falschen Motivation heraus eine verhehrende Entscheidung getroffen. Ich hatte ein Jahr vorher, mich für einen Arbeitgeber entschieden, was ich als eine der schlechtesten Entscheidungen meines Lebens bezeichnen würde. Mein bester Freund sagte einmal, wenn man in einem Raum mit Menschen ist und sich fragen würde, wieviele Sekunden man bis zur Tür brauchen würde um abzuhauen, wäre das ein untrügliches Kennzeichen dafür, dass man gehen sollte. Und so war es dann auch. Ich ging. Und wie…
Ein paar Monate vorher war ich bei recht angesehen Personalvermittlung für Fach- und Führungskräfte aufgeschlagen, die so ganz anders war, als das was ich bisher erlebt hatte. Ich wollte aus der unsäglichen Nummer heraus in die ich geschlittert war. Mein Gegenüber hatte meine Unterlagen, die er zum Lesen in der Hand hielt, auf den Tisch fallen lassen und schob sie zur Seite. „Herr MiM“, sagte er und schaute mich an. „Was wollen Sie wirklich?“ Und ich erinnerte mich, was Tony immer gesagt hatte. Willst Du bessere Ergebnisse, dann triff bessere Entscheidungen. Ich beugte mich nach vorne, nahm ein leeres weißes Blatt und schrieb 5 oder 6 Eckpunkte auf und dazu eine Zahl, die ich für angemessen hielt. Ich reichte das Blatt über den Tisch. „Gut“, sagte der junge Mann. „Damit kann ich arbeiten.“
In der zweiten Woche des Jahres 2020 erreichte mich der Anruf. Es war morgens um 9 Uhr. Ich stand in der Konzernzentrale meines ungeliebten Arbeitsgebers. 1 1/2 Monate vorher, noch im alten Jahr, hatte mich der Headhunter in einen Personalauswahlprozess geschubst, der eigentlich schon abgeschlossen war. Er aber warf noch einmal meinen Hut in den Ring, weil er meinte, ich wäre perfekt dafür. Der Führungs- und Fachkräfte-Fachverkäufer war am Telefon. Er informierte mich, dass man von meiner Person sehr angetan wäre und man mich unbedingt haben wollen würde. Ich würde gleich einen Anruf des Unternehmens bekommen. Man wollte noch einmal persönlich mit mir sprechen. 9.20 Uhr klingelte das Telefon und die Leitung HR meines zuküftigen Arbeitgebers teilte mir überschwenglich mit, dass ich perfekt für die Position wäre, sich man auf mein Erscheinen freuen würde, wenn ich denn Interesse an der Position hätte und ich ihr, der Leitung HR, eine Postion auf der Tanzkarte schuldig sei. Ich möchte anmerken, dass diese Aussage auf Geschehnissen innerhalb des Recruitingprozesses basierte, welcher komplett anders lief als alles was ich bis daher in meinem Leben erlebt hatte. Und das im positiven Sinne. Aber das ist eine andere Geschichte.
Ich schaute auf meine Uhr. Um 10 Uhr sollte ich zu einem Personalgespräch meines aktuellen Arbeitgebers erscheinen. Man wollte mit mir meine Ziele des kommenden Jahres besprechen. Das Gespräch war angesetzt auf 2 Stunden.
Es endete nach 20 Minuten. Ohne weitere Ziele.
Fortsetzung folgt…
Prolog – Ein Wiedersehen mit Tony (III)
Wir hatten alle unseren Abschluss gemacht und die Prüfungen bestanden und saßen an einem Samstagvormittag in der Mensa bei Kaffee und Sandwiches. Ich hatte gerade meinen ersten Job nach dem Studium begonnen. Ich hatte drei oder vier Bewerbungen geschrieben und ehe ich mich versah, hatte ich eine neue Aufgabe gefunden. Und die war mehr als schwammig. Man wollte mich haben, wusste aber nicht genau wozu. Ob ich damit ein Problem hätte eine Stelle anzutreten, wo man mir nicht sagen könnte, was ich letztlich machen sollte? Nein, hatte ich nicht. Es war mir auch egal. Es gab gutes Geld und ich hatte eh keine genaue Vorstellung davon, was ich machen wollte. Also unterschrieb den Vertrag und begann mich dem Thema Sonderaufgaben zu widmen, die mir zugetragen wurden. In der Regel waren das Aufgaben, wie Excel Formeln für den Chef anzupassen und zu schwören, niemanden zu erzählen, dass er das nicht so drauf hatte. Oder ich musste seinen PC mal wieder in den Standard zurücksetzen, weil er wieder irgendwo wild herum gespielt hatte.
An diesem Samstagmorgen sollte ich Tony kennenlernen. Markus brachte Tony mit. Tony war ein angenehmer Bursche. Groß, kräftig, aber nicht fett. Er sah stabil aus. Er hatte diese amerikanischen gebleichten Beißer. Sein Lächeln war beruhigend. Tony hatte einen Lebenslauf, der am Anfang wie ein Flickenteppich wirkte, aber ab irgendeinem Punkt in seinem Leben hatte er dann den Dreh herausgehabt und brachte die Dinge zum Laufen. Das machte ihn sympathisch. Als ich Tony an diesem Tag begegnete war mir nicht klar, welchen Einfluss er auf mich haben sollte. Ohne es zu ahnen, war ich jemanden begegnet, der mein Leben mehr beeinflussen sollte, als wie kaum ein zweiter Mensch.
Es war seine Art. Tony drängte sich nie auf. Tony war da. Niemals verschwendete er seine Zeit. Er war niemand, den man sich auf Vorrat legen konnte. War man mit anderen Themen beschäftigt, verschwand er. Ging fort. Kümmerte sich um andere Dinge. Aber wenn man ihn brauchte, war er wieder da. Sofort. Er half immer. Hatte stets einen Rat. Er ließ einen nie alleine, sofern man an sich und seinen Themen arbeite. Tat man es nicht, ging er. Setze man sein Tun fort, war er wieder da. Er brachte mich dazu einfach alles in Frage zu stellen, was ich bis dahin getan hatte. Er wischte die Grenzen, die ich mir selbst gesetzt hatte, mit ein zwei Fragen beiseite. Was sich für mich als ein Befreiungsschlag erwies, wirkte in weiten Teilen meines Umfeldes wie ein Bombeneinschlag. Es blieb kein Stein auf dem anderen.
Irgendwann in der Vergangenheit schenkte mir einmal ein Freund, damals war er es, ein Buch. Auf den ersten Seiten hatte er eine Widmung geschrieben. Ich erinnere mich nicht mehr an den genauen Wortlaut. Aber er ging ungefähr so.
„Erst wenn man aufsteht, sich erhebt und den Blick auf den Horizont wirft, erkennt man wie groß und zu was man fähig ist.„
Und sie werden überrascht sein, wie groß die Welt wird wenn man sich nicht mehr um das Denken und die Meinung anderer Leute kümmert. Egal ob Familie oder sonst wer.
Fortsetzung folgt…
Prolog – Ein Wiedersehen mit Tony (II)
Dann war da dieses Pärchen. Die auch gemeinsam in ein und der selben Firma arbeiteten. Sie, Stephanie, sah so ein bisschen aus wie ein Pferd. Eine Frau, bei der die Proportionen mehr an einen Ackergaul erinnerten. Einfach kräftiger von der Statur her. Kein Hals. Und sie war recht gut begütert. Sie arbeitete in dem Unternehmen ihres Vaters. Und da war Markus, ihr Mann. Er arbeitete ebenfalls in dem Unternehmen ihres Vaters. Außendienstler. Erst hatte er die Tochter des Chefs gevögelt und dann geheiratet. Markus hatte eine Vorliebe für Sportwagen. Und für Kundenbesuche bei Frauen mit Tagesfreizeit. Aber das wusste zu dem Zeitpunkt niemand. Es kam erst einige Jahre später heraus. Seine berufliche Entwicklung bekam einen leichten Knick in der Unternehmung.
Nicole, eine schlanke junge Frau, mit schwarzen glatten Haaren, bei der ich mir nie sicher war, ob sie mehr in die Richtung feministische Lesbe tendierte oder eine ausgeprägte Form der unterschwelligen passiv-aggressive Persönlichkeitsstörungen an den Tag legte. Sie trug immer Ohrringe, die irgendwie nie so wirklich zu ihr passten. Sie neigte auch nicht dazu, sich wie andere Frauen des Jahrgangs etwas zurecht zu machen. Ich fand immer, dass sie ein bisschen blass um die Nase wirken würde. Immer wenn sie erzählte, schwang diese Agression im Satzbau mit. Und während ich ihre Stimme hörte, dachte ich manchmal, ich sollte ein Stöckchen werfen und so etwas sagen wie: „Komm… hol´s Dir.“
Und dann gab es mich. Die Meisten werden sich wahrscheinlich immer die Frage gestellt haben, wer mich in diese Vorlesungen gelassen hatte. Ich passte nicht ins Schema. Zu den Vorlesungen am frühen kam ich meistens zu spät oder ließ sie gleich ausfallen. Wenn ich erschien, begann der Tag mit einer Ibuprofen und einem Trinkjoghurt, der in der Regel das Frühstück ersetzen sollte. Mein Studium hätte mir ohne einen großen Teil meiner Kommilitonen mehr Spaß gemacht. Ich kam mit den meisten nicht klar. Ich mochte sie nicht. Und umgekehrt stand ich bei ihnen auch nicht sonderlich weit oben in der Skala der beliebtesten Menschen in dem Studiengang. Ich hatte mich 8 Semester im sozialen Abseits durch die Veranstaltung gequält und in den ganzen Jahren nur ein oder zweimal an einer gemeinschaftlichen Veranstaltung teilgenommen. Mich interessierte nur dieser Dreckszettel am Ende, der dokumentieren sollte, dass an etwas teilgenommen und irgendwelche Prüfungen bestanden hatte. Es ging nur um diese verdammte Eintrittskarte in die Welt der unbezahlten Überstunden. Und am Ende bekam ich sie auch.
Fortsetzung folgt…
Prolog – Ein Wiedersehen mit Tony
Ich lernte Tony irgendwann Mitte 1998 kennen. Drei oder vier Monate nach meinem Abschluss. Ich und ein paar andere. Wir waren so etwas wie der harte Kern der Absolventen. Wir hangen auch immer im Studium oft zusammen, trafen uns ab und an zum Frühstücken im Mensa. Das Mensa war ein kleiner Laden, in dem man Frühstücken konnte. In dem Gebäude, an dem auch die Parkplätze angesiedelt waren. Sandwiches und heißer Kaffee. Oder Trockenkuchen. Ebenso eine überschaubare Auswahl an Schokoriegeln.
Oft hatten wir einfach eine Vorlesung ausfallen lassen, weil es doch irgendwie angenehmer war, bei einer heißen Tasse Kaffee zusammenzubleiben, als sich von einer langweiligen Vorstellung eines Dozenten einschläfern zu lassen. Wir saßen beisammen und unterhielten uns. Ich erinnere mich an keine tiefgreifenden Gespräche. Es handelte sich um banalen Small Talk. Um die alltäglichen Unwichtigkeiten des Lebens. Wir, das waren fünf Personen. Frank, Stephanie und Markus, Nicole und ich.
Frank, ein untersetzter Typ, der bei der Auswahl seiner Kleidung ein wirklich sehr schlechtes Händchen hatte. Was sich auch auf die Auswahl seiner Frauen bezog. Hätte sich Ende der 90´er die Kombination gemustertes Viskose Hawaii Hemd mit grauer Buntfaltenhose durchgesetzt, bunten Socken in Lederslippers, wäre er ganz vorne mit dabei gewesen. So sah es einfach nur komisch aus. In seinem wilden, nicht wirklich gepflegten Bart, sammelten sich immer Essensreste an. Der Rest der Mahlzeit lag als Belag wie eine schmieriger Film auf den vorderen Zähnen. Er sagte immer, eine Frau käme nur in sein Leben, wenn der das Geld für die Scheidung zusammen hätte. Es sollten Jahre vergehen, bis dann eine kam. Und es endete in einem Drama und einem Berg an Schulden. Während er sich den Arsch abarbeitete, bestellte seine Frau wie eine Verrückte irgendwelche Dinge aus dem Internet. Er hat weder das Geld für die Scheidung, noch das Geld für die Schulden, die seine Frau nebenbei angehäuft hatte, beiseite gelegt. Wir waren eine Symbiose. Er konnte schnell die Tasten eines Taschenrechners bedienen. Ich konnte schnell mathematische Formeln umstellen. Wir waren richtig gut. Allerdings erwies sich die Fähigkeit komplexe Formeln umzustellen und Systematiken zu erkennen als das bessere Produkt, mit dem man am Markt Geld verdienen konnte. Aber ich mochte ihn. Und ich mag ihn noch heute. Er entfachte meine Leidenschaft für Steuerrecht. Eine Leidenschaft die sich bis heute ordentlich ausgezahlt hat.
Fortsetzung folgt
