Getagged: Die Süße
Wegen Betriebsurlaub geschlossen
Meine Damen und Herren,
ich werde Sie nun an dieser Stelle zurücklassen. Ich verlasse nun das Büro und verabschiede mich in meinen Urlaub.
Ich werde mit dem Besten einen Ausflug machen. Und wie es sich gehört, stehen immer kulturelle Veranstaltungen auf hohem Niveau auf dem Programm. Wir werden uns intensiv mit Gebräuchen von Land und Leute auseinandersetzen. Kultur ist so wichtig.
Wir haben darauf verzichtet ein Hotel zu nehmen und haben uns stattdessen für ein Apartment entschieden. Sagen wir, es ist ein großes Apartment. Naja, eigentlich ein richtig großes Apartment. Mit mehreren Schlafzimmern, falls man mal nicht weiß, wo man schlafen soll. Sie können solche Probleme, älterer Herren, sicher nachvollziehen.
Wir haben das schon einmal getan, was damals mit meiner Kurzzeitlebensgefährtin für ein paar Irritationen sorgte. Aber… wir wissen ja alle selbst, wie schwer Frauen manchmal logischen und pragmatischen Argumenten zugänglich sind.
Aber das Ganze ist bereits 18 Jahre her. Und natürlich sind wir heute viel erwachsener als damals. Und war vor allem haben wir heute mehr Geld als damals. Viel mehr Geld. Mit dem man großartige Urlaubssouvenirs, in Form von Erinnerungen, erwerben kann.
Ich werde heute den Koffer packen. Mehr als eine Zahnbürste, Kreditkarten und die Glücksunterhose braucht sowieso kein Mensch. Daher reicht der kleine Koffer.
Wünschen Sie mir gute Zeit. Sie sollten wissen, alles, was ich tue, tue ich nur, damit Sie etwas zu lesen haben. Nicht, dass mir solche Dinge Spaß machen würden. Ich gebe alles auf dieser Showbühne. Wie ich es die letzten 2 Jahrzehnte getan habe.
Wir lesen uns nach meiner Rückkehr.
Mit vorzüglicher Hochachtung.
Ihr Herr MiM
PS.
Nach Diktat verreist (… das wollte ich schon immer mal schreiben)
PPS.
Ich habe den alten Dialog wiedergefunden, den ich damals veröffentlichte. Es war ein warmer Sommertag in Metroplis. Wir waren auf einer großen kulturellen Sommerveranstaltung. Ich erinnere mich daran, dass nach diesem Gespräch, die Stimmung… sagen wir… ein bisschen kippte.
Es würde damals ein grandioser Ausflug nach Bratislava. Freund T kam nicht mit, weil er bei dem Rückflug aus den USA in Frankreich auf dem Flughafen Charles de Gaulle hängenblieb. Freund M bekam von seiner Frau ein Reiseverbot ausgesprochen. Die Aussage war: A und ich wären aus moralischen und ethischen Gründen nicht gut für das Seelenheil ihres Mannes.
Es war einer der besten Touren, die wir zusammengedreht haben. 140 qm Apartment in der Innenstadt von Bratislava. Fragen Sie nicht, was man da alles anstellen kann… es gab… ach egal.
Der Kontakt zu M. brach nach einem Abend im Jahr 2007 ab. Nach dem er als Marketingmanager mit einer der Servicekräfte noch etwas besprechen wollte und in dem bereits geschlossen Lokal mit dieser zurückblieb und wir mit den anderen weiter zogen. M. ist nach wie vor noch mit seiner Frau verheiratet.
T. ging irgendwann 2011 verloren. Ich erinnere mich noch als er mit dem Fahrrad, dass irgendwie in die A-Klasse hineingequetscht hatte, wegfuhr. Ich habe ihn nie wieder gesehen oder gesprochen. Geblieben ist ein Foto von ihm, wo wir gemeinsam auf einer Bootstour mit der Gruppe Floristinnen aus der Schweiz unterwegs waren, die gerade ihre Abschlussprüfungen gemachten hatten.
Was blieb… sind A. und ich. Überbleibsel. Noch heute touren wir durch die Welt. Wahrscheinlich sind wir nie angekommen. Vor 24 Jahren habe ich den Kerl auf einem Seminar für konstruktive Gesprächsführung kennengelernt. Seitdem haben wir Spaß. Und tun männliche Männer-Dinge, die männliche Männer so tun, wenn sie männliche Männertouren machen.
Aber jetzt der Dialog. Ich sehe es noch heute vor meinen Augen. Es war episch. Im Anschluss laut, etwas emotional aufgeladen, aber episch!

Als der Mainstream meine Jugend kidnappte
Ich stand nur mit einer Jeanshose bekleidet in diesem Zimmer und starrte auf die Wand. Bekleidet trifft es nicht richtig. Die Hose war offen und hang auf halb acht. Mein Blick fixierte einen Rahmen der an der Wand hing. In diesem Rahmen, hinter einer dünnen Glasscheibe, waren 2 Bilder von einem Konzert. Eine riesige Menschenmenge und im Hintergrund war eine Bühne zu sehen. Neben den Bildern war eine Konzertkarte fixiert.
„Du hast sie live gesehen?“, fragte ich erstaunt. Es war weniger dass man sie live sehen konnte, sondern viel mehr, dass SIE sie live gesehen hatte.
Der braunhaarige Hase mit den Locken wackelte leicht hin und her und wippte mit dem Kopf. Ihre Brüste wippten ebenfalls. Sie war nackt, frisch gevögelt und roch genau so, wie eine Frau nach dem Sex riechen sollte. Dabei balancierte Sie in der rechten Hand eine Flasche Bier. Sie lachte. Sie war richtig gut drauf. Sie kokettierte wie jemand, der gerade etwas unglaublich unanständiges gemacht hatte. Was im Grunde genommen sogar stimmte. Naja, ein Hauch von Unanständigen. Okay, für sie war es unanständig.
„Ja“, sage sie. „Cool, oder?“ Sie freute sich immer noch. Lachte und nahm einen Schluck aus der Flasche. Sie wackelte wieder mit dem Kopf und gleichzeitig mit dem Arsch. Sie war total überdreht.
Ich nickte. Mehr als 100.000 Menschen waren 2005 auf dem Konzert der Böhsen Onkelz gewesen. So viele Menschen.
Meine Gedanken kamen ins Trudeln. Ich fühlte mich überrannt. Als hätte man mir etwas weggenommen. Ich war beraubt worden. Als hätte jemand sich einem Teil meiner Erinnerung bemächtigt und behauptete nun, dass das alles sein erleben gewesen sei. Das Unhörbare war schon lange hörbar geworden. Menschen, die die musikalischen Kompositionen der Band, die niemals auf einer LP oder CD veröffentlicht wurden, sondern nur von Kassette zu Kassette kopiert wurden, nicht kannten, standen auf einmal auf einem Konzert, eben dieser Band.
Auch ich hatte die Onkelz gehört. Aber das war zu dem Zeitpunkt bereits 15 bis 20 Jahre her gewesen. Das war eine andere Zeit. Ein anderes Leben. Es war am Beginn der Vorzeit. Und diese Frankfurter Band gehörte zu dem harmlosen Dingen, die auf dem Kassettendeck liefen. Es gab ein Leben unter der Woche. Und eines anderes am Wochenende. Nach Sonnenuntergang. Ein Leben, dass einem einen Stempel aufdrücken sollte.
Und während mein Blick auf diesen Rahmen an der Wand haftete, tauchten diese Erinnerungen aus der Vergangenheit auf. Veranstaltungen und Auftritte am Wochenende, im Irgendwo im Nirgendwo. Roh geschliffene Menschen, die in Kellern feierten, Tänze tanzten, die eher einer Massenschlägerei ähnelten und dabei mit halbvollen Bierdosen um sich warfen. Gekleidet in Hemden von Ben Sherman oder Polos von Fred Perry. Damit die Hosen nicht rutschten trug man Hosenträger und wenn man viel tanzt, ist es auch nie verkehrt britische Gesundheits- oder Arbeitsschuhe zu tragen. Man wusste nie, wer einem dabei auf den Fuß trat. Und mit den Erinnerungen, kamen die Emotionen wieder hoch. Soviel war damit verbunden. Ich durfte Dinge erleben, die man nicht erleben sollte. Dinge, die ich nicht wieder erleben wollen würde. Dinge, von denen heute wünschte, dass ich mir das vielleicht ausgespart hätte. Manchmal lebt man ein ganzes Leben in nur 10 Jahren.
Alles hat seine Zeit und verschwindet dann wieder. Das Ende begann 1988 als die Böhsen Onkelz ein Interview gaben. Tele 5, in der Sendung Hard´n Heavy. Ich habe es gesehen. Es hat sich damals in mein Gehirn gebrannt. Ich wusste nicht mehr was genau sie gesagt hatten. Sie stellten ihre neue LP ´Kneipenterroristen´ vor und dann wurde ein Song als Video gespielt. Die Onkelz. Im Fernsehen. Man ließ sie tatsächlich auftreten. Unglaublich. Ich stand da, starrte auf meinen Fernseher. Ich konnte es nicht fassen. Ich sollte die Scheibe in den kommenden Monaten hoch und runter hören. Zwei Monate später erwarb ich eine Karte von dem ersten dem ersten Konzert, das in der Stadt gegeben werden sollte. Das Konzert fand nie statt. Das Geld für dieses Konzert bekam ich zurück, als man feststellte, es wäre besser das Konzert abzusagen, als die Konzerthalle am Ende neu aufzubauen. Die letzte Platte, die ihren Weg in mein Regal fand, war ´Es ist soweit´. Das war 1990. Von dem was folgte, habe ich nichts gekauft und auch nie etwas angehört.
Als 1993 die große Verbotswelle von Parteien kam, war ich schon weg. Ich werde nie den Tag vergessen, ich war gerade eine längere Zeit in den Niederlanden, wie im Frühstücksfernsehen die Polizei am frühen Morgen bei Hausdurchsuchungen begleitet wurde. Dieses Gefühl, wenn sie die Häuser, die Namen am Klingelschild, in der Großaufnahme im Fernsehen sehen und wiedererkennen. Orte an denen Sie selber gewesen sind. Das rollt wie eine Welle über sie hinweg.
„Das war eine Stimmung… richtig gut“, ihre Stimme riss mich aus den Gedanken.
„So, war sie das?“, fragte ich, drehte mich zu ihr und lächelte sie an, während ich ihr mit der rechten Hand zwischen die Beine faste und zwei Finger in ihr verschwinden ließ. Sie bäumte sich minimal auf, biss sich auf die Unterlippe, gluckste einmal und wankte ein bisschen hin und her. Dann nahm sie noch einen weiteren Schluck.
„Du könntest mich noch einmal vögeln!“, sagte es und nahm mich an der Hand und zog mich zum Bett, während sie die Flasche leerte.
Dann machte das Dingelchen das, was Dingelchen so machen.
Sie hat nie erfahren woher ich kam. Als ich ging, schaute ich nicht zurück. Ein Jahrzehnt später erzählte sie mir, dass sie immer in diesen Club gegangen wäre, der an einen Schokoriegel erinnert. Sie dachte immer, mich dort wieder zu treffen. Aber da war schon lange weg. Das Leben hatte mich fortgespült.
Die Geschichte, die nie erzählt wurde
Es war Januar. Eine Woche zuvor hatte es geschneit. Dann war es kalt geworden. Richtig kalt. Arschkalt. Mit festgetretenem Schnee, der sich sich in spiegelglatte Eisflächen verwandelte. Zu einer festen Masse zusammengefroren. Da war dieses Restaurant. Ich kannte es, weil sie einen hervorragenden Mittagstisch anboten. Ab und an bin ich dort mit einer Kollegin essen gewesen. Als die Truppe aus der Vorlesung für Einkommen- und Umsatzsteuer auf die Idee kamen, man könnte doch einmal gemeinsam etwas essen gehen, hatte ich mich bereit erklärt, ein Lokal auszusuchen und einen Tisch zu reservieren. Und ich wählte eben genau dieses. Es war perfekt.
Es war eine verrückte Zeit. Ich lebte auf der Überholspur und in einer ziemlich verrückten Konstellation. Ein paar Jahre zuvor hatte ich Schatz geheiratet. Dann tauchte Hase auf der Bildfläche auf. Gruppenleiterin im Rechnungswesen. Wir hatten uns recht gut verstanden und so ergab irgendwann das Eine das Andere.
Es kam wie es kommen musste. Die Sache wurde kompliziert. Aber anstatt, dass es eine Entscheidung zu fällen gab, lernten die Damen sich kennen. Und sie verstanden sich dermaßen gut, dass sich daraus eine halbwegs stabile Kiste entwickelte. Das ging soweit, dass wir sogar gemeinsam in den Urlaub flogen. Ich, Schatz und Hase auf Abenteuerurlaub in Bulgarien. Mit einem Abstecher per Bus nach Istanbul und wieder zurück. Was für ein Urlaub. Selbst ihren Geburtstag hatten die Frauen mit dem gemeinsamen Freundeskreis gefeiert. Es war schon ein bisschen verrückt.
Hase, die diese Vorlesungen mit mir besuchte, war den Abend ebenfalls dabei. Schatz hatte damit nichts zu tun und war zu Hause geblieben. Es war ein netter Abend. Das Essen war gut. Hase bestand und bekam ihre Flasche Wein zum Essen. Und selbst die Gespräche mit den Anderen am Tisch verliefen ohne größere Schwierigkeiten. Eine runde Sache. Ein richtig entspannter Abend.
Es war schon etwas später. Die ersten hatten bereits bezahlt und waren aufgebrochen.
„Ja, war es das jetzt schon?“, fragte Nikki in die Runde. Blonde, schulterlange Haare. Sie hatte ein einnehmendes Wesen und war herrlich direkt. Immer ein Lächeln im Gesicht. Wir fuhren oftmals Abends gemeinsam die gleiche U-Bahn Linie nach Hause. Sie liebte die Geschichten aus dem Büro vom bockigen Etwas. Ich erzählte sie immer. Im Grunde genommen bekam sie erzählte Blogposts. Sie leitete die Buchhaltung in einem kleineren Mittelstandsunternehmen.
„Eigentlich könnte man doch noch etwas starten“, fragte Hikmet. Der kleine Türke in der Gruppe. Ein netter Kerl. Ende 20. Ebenfalls verheiratet. Seine Frau eine Bildhübsche. Träumte von einer Laufbahn als Steuerberater. Zumindest wollte er das machen. Visionen hatte er. Das muss man ihm lassen. Fachlich war er nicht so sattelfest. Ich mochte ihn. Er war immer Feuer und Flamme wenn es um irgendwelche Unternehmungen ging. Gehörte zu der Sorte von Menschen, die schnell zu begeistern waren.
Ich sagte nichts. Schaute nur in die Runde.
„Also für mich ist das nichts“, sagte Hase. „Ich bin da raus.“ Dann schaute sie mich an. „Ich wünsche Dir noch viel Spaß. Du gehst sicher mit. Ich kenne Dich doch.“
Mir gegenüber saß der braunhaarige Lockenkopf mit den pastellgrünen Augen. Der sagte nichts. Legte den Kopf schräg und nickte nur dazu.
„Wisst ihr was? Wie gehen ins M!“ Nikki beugte sich über den Tisch nach vorne und die Begeisterung stand ihr in den Augen. „Ich habe Bock auf Feiern.“ Alle schauten sie an. Sie hatte diesen irren Blick drauf, den sie sonst nur in der Vorlesung zum Steuerrecht hatte. „Das soll echt super da sein“, sagte sie.
Ich löste mich und Hase aus. Bezahlte das Essen und den Wein. Zog meinen Mantel an und stapfte mit den verbleibenden anderen Drei durch die Kälte in Richtung der größten Diskothek der Stadt.
Wir waren zu früh da. Der Laden war noch nicht einmal zur Hälfte voll. Wir deckten uns mit Getränken ein und wanderten durch die unterschiedlichen Bereiche. In dem größten Raum, wo die Musik am Lautesten war blieben wir an einem Stehtisch hängen. Da standen wir nun. Ich entschied, es wäre eine gute Zeit für weitere Drinks. Ich trottete an die Bar. Wartete bis ich an der Reihe war. Bestellte bei einer kleinen Blonden 4 Caipis. Ich bezahlte und war großzügig mit dem Trinkgeld.
Da standen wir und glotzen durch die Gegend. Die Musik war so laut, dass man sich nicht vernünftig unterhalten konnte. Also sprach jeder mit dem, der gerade neben ihm stand. Nikki und Hikmet waren aufgedreht, redeten und gestikulierten dabei wie die Verrückten. Ich stand neben der Braunhaarigen. Sie trug Schuhe mit hohen Absätzen. Solche wo die Schlaufen um die Fußfesseln gehen. Nylonstrumpfhose. Der Hintern steckte in einem wirklich kurzen dunkelgrauen Rock, den ich vorher gar nicht so wahrgenommen hatte. Darüber trug sie eine schwarze Bluse. 2 Knöpfe aufgeknöpft. Ein tiefer Einblick. Die braunen Haare waren gelockt und lagen auf ihren Schultern auf. Der Lippenstift war dezent und die Augen waren nur leicht betont. Sie schminkte sich nur wenig. Sie war ein eher dunkler Typ. Man hätte sie leicht für eine Italienerin halten können. Aber dann waren da diese pastel-grünen Augen.
Wir fingen an uns zu unterhalten. Sie saß seit einem dreiviertel Jahr neben mir in den Vorlesungen und ich wusste nichts über sie. Sie arbeite in einem Steuerbüro. Besaß ein Pferd. Hatte eine Leidenschaft für das Segeln. Hatte ein kleines Boot an einem der Seen in der Umgebung und eine Ferienwohnung in den Bergen. War noch keine Dreißig. Das junge Ding hatte einen wesentlich älteren Freund.
Ich war gut gelaunt. Ich wollte Feiern. Ich wollte trinken. Also holte ich wieder bei der kleinen Blonden vier Drinks. Bezahlte. Und gab wieder großzügig Trinkgeld.
Die Musik wurde fetziger. Die Bässe wummerten. Ich sprach kurz mit dem kleinen Türken. Dann auch mal mit Nikki. Dann wieder mit dem Lockenkopf.
Ihr großes Ziel. Steuerberater. Mal eine eigene Kanzlei.
Ich war durstig. Ging zur Bar. Platzierte mich in der zweiten Reihe und wurde von der kleinen Blonden über die erste Reihe hinweg sofort nach meinen Wünschen gefragt. 4 Caipis. Ich konditionierte mit einem guten Trinkgeld.
Ich erzählte ein bisschen was von mir. Sie erzählte ein bisschen was von sich.
Die Getränke verdunsteten förmlich. Ich ging zur Bar. Ohne ein Wort zu sagen, stellte mir die Blonde 4 Caipis hin. Keine Wartezeiten mehr. So mag ich das. Ich zog einen Schein aus der Tasche bezahlte. Gab Trinkgeld.
Ich war mittlerweile etwas angetrunken. Ich musterte den Lockenkopf. Ich blickte auf ihren Hintern. Als ich meinen Blick von ihm nahm, bemerkte ich, dass sie mich ansah.
„Was denkst Du?“, wollte sie wissen und nahm den Strohhalm zwischen ihre Lolitalippen.
„Was für ein hübscher Arsch… „, antworte ich und hob das Glas als würde ich einen Toast auf ihren Hintern aussprechen.
„Gefällt er Dir?“
„Das tut er!“
„Meinem Chef nicht!“
„Nein?“
„Mein Freund trinkt am Wochenende lieber, als mit mir Sex zu haben. Also dachte ich, ich versuche es mal bei meinem Chef.“
„Das ist nicht Dein Ernst?“
„Doch. Ich habe mich zurecht gemacht und habe versucht ihn anzumachen… das hat nicht funktioniert. Ich habe den kürzesten Rock angezogen, den ich hatte. Und eine Bluse. Weit aufgeknöpft. Er hat mich nicht angefasst.“
„Hat er nicht?“
„Nein. Hat er nicht!“
Ich stutzte. Ich hatte einen sitzen. Hatte ich richtig gehört?
„Also ich hätte zugefasst!“ Ich machte eine Pause. „Und ich hätte Dich gleich auf dem Schreibtisch gevögelt.“
Sie sagte nichts und sah mich nur an.
Ich sah an ihr herunter. Mein Blick blieb an ihrem Hintern kleben. Ich überlegte kurz. Egal. Streckte meine Hand aus und griff zu. Packte fest zu und ließ meine Hand auf der Wölbung des Rockes liegen..
Sie sagte nichts. Schaute mich nur an. Lächelte kaum merkbar. Dann rutschte sie näher an mich ran und legte einen Arm um mich.
Hikmet und Nikki waren schon jenseits von Gut und Böse. Sie tanzten. Prosteten uns zu. Lachten. Scherzten. Feierten und waren guter Dinge. Und ziemlich betrunken.
Ich holte noch weitere Getränke. Genau genommen bezahlte ich den ganzen Abend. Aber es war mir egal. Ich war gut drauf. Es fühlte sich alles gut an. Es war wie ein Rausch. Wir tranken. Wir klebten aneinander. Wir waren total betrunken. Es muss irgendwann gegen halb drei Uhr morgens gewesen sein, als wir aufbrachen. Ich war voll wie ein Eimer und hatte den braunhaarigen Lockenkopf im Arm. Nicki zog Hikmet Richtung Ausgang, der irgendwann zu viel Testosteron in der Blutbahn hatte und anfangen hatte, jedes weibliche Wesen dass an unserem Tisch vorbei kam anzusprechen und versuchsweise anzufassen.
Als wir den Laden verließen winkte ich der kleinen Blonden hinter dem Tresen zu. Sie kam hinter hervor und lief zu mir rüber. „Kommst Du öfter hier her?“, fragte sie. Ich verneinte. Und noch während ich neben der Braunhaarigen stand, drückte sie mir einen Kuss auf und meinte, ich sollte wirklich dringend wieder kommen. Keine Ahnung, wieviel Trinkgeld ich den Abend gegeben hatte. Mir war es egal. Und ich betrat den Laden auch nie wieder.
„Kommt…“, sagte Nicki. „Raus hier. Ich habe meinen Mann angerufen. Der holt uns alle ab.“ Sie lachte. Hatte den kleinen Türken im Arm und bewahrte ihn vor weiterem Unfug.
„Wo musst Du hin?“, fragte ich den braunhaarigen Lockenkopf.
„Zum Bahnhof. In die S-Bahn“, sagte sie. Sie beugte sich vor. „Lass uns zu Fuß gehen“, flüsterte sie und küsste mich.
„Nicki?“
„Ja“
„Wir gehen zu Fuß!“, rief ich.
Hikmet ruderte mit den Armen. „Warum wollt ihr zu Fuß gehen?“
„Die beiden gehen zu Fuß.“ Nicki lachte. Sie lachte wie sie immer lachte. „Komm… wir müssen zum Auto.“
Die beiden stiefelten los. Aus dem Ausgang, hinaus in die Nacht und verschwanden irgendwo auf dem Parkplatz in einem Auto.“
Wir trotteten über den Parkplatz, gingen ein Stück die Straße gerade aus und bogen rechts ab. Von dort aus ging es immer gerade aus. Wir würden genau auf den Bahnhof zukommen.
Wir gingen Hand in Hand die Straße entlang. Wir waren betrunken. Wir lachten. Wir drehten uns um uns selbst. Blieben stehen und küssten uns. Arbeiteten uns von Hauseingang zu Hauseingang weiter den Weg zum Bahnhof vor. Wir brauchten eine Ewigkeit. Am Bahnhof gegenüber blieben wir vor einem Hotel stehen. Ich schaute sie an.
„Lass uns hier bleiben. Wir nehmen uns einfach ein Zimmer. Bleiben hier. Einfach so“, sagte ich. Ich hatte die Kreditkarte schon aus der Tasche gezogen und wollte sie an die Rezeption ziehen. Ich hatte das Gefühl am Leben zu sein. Ich fühlte etwas. Und ich war total betrunken. Sie hielt mich fest. Zog mich an sie ran. Sie griff an die Revers meines Mantel und küsste mich.
„Nein, ich kann nicht. Ich muss nach Hause. Ich muss jetzt die erste S-Bahn nehmen. Ich bekomme so schon einen riesen Ärger.“
„Aber zum Teufel… wen interessiert Ärger, wenn man…..“, ich wollte groß ausholen aber sie stoppte mich.
„Nein“, wiederholte sie. Wieder küsste sie mich und ich starrte nur in diese traurigen grünen Augen.
Als sie in die S-Bahn stieg und sich noch einmal umdrehte, presste ich meine Hand an die Glasscheibe. Dann setzte sich der Zug in Bewegung. Ich ging noch ein paar Schritte mit. Dann war der Zug mit ihr weg.
Mir war kalt. Ich fror. Der Alkohol und die Müdigkeit taten ihr übriges. Ich nahm mir ein Taxi und zahlte 50 EUR um nach Hause zu kommen.
Ich würdigte den Abend am nächsten Tag mit einer Notiz in meinem Blog, den ich gute zwei Monate vorher im November des Jahres 2005 angefangen hatte. 3 Sätze.
Das dieser Abend mein Leben ändern sollte, wusste ich nicht. Dass dieses Erlebnis der Auslöser war, der alles bisher Dagewesene auf den Kopf stellen sollte, hätte ich mir nicht einmal im Traum erdacht. Die kommenden 4 Monate ließen kein Stein auf dem Anderen.
Ich verließ Schatz, ein Jahr später waren wir geschieden, und Hase und beendete damit das Dreiecksverhältnis, in dem ich lebte. Ich entledigte mich zweier Affären, die nebenher liefen. Und ja, die beiden Damen waren richtig sauer. Ich verlor durch mein Handeln meinen Jugendfreund, der sich von mir abwandte, weil ich in seinen Augen ein durchgeknallter Egomane war. Und alles nahm ich hin, weil ich glaubte etwas wiedergefunden zu haben, nach dem ich die letzten 15 Jahre vergeblich gesucht hatte. Und tatsächlich war ich für eine kurze Zeit wirklich glücklich. Trotz allem.
Ich bemühte mich wirklich aufrichtig treu zu sein, was mir auch für ein paar Monate gelang. Unter dem damaligen Gesichtspunkt und dem Lebensstil wirklich eine anerkennungswürdige Leistung.
Die Geschichten mit der Süßen füllten fast zwei Jahre einen ganzen Blog. Aber selbst das, war alles nur der Einstieg in ein noch viel größeres Abenteuer. Und das ist bis jetzt noch nicht zu Ende.
Heute ist Blog Geburtstag. Am 14.11.2005 saß ich im Büro. Im Büro in der großen Stadt im Süden. Zwei Tische weiter saß das bockige Etwas und während ich auf sie schaute, schrieb ich den ersten Post und Herr MiM erblickte das Licht der Welt.

Noch 83 unveröffentlichte Entwürfe von Posts, die ich dann doch lieber nicht veröffentlicht habe, liegen dort noch herum.
Und während das alles geschah, beobachtete mich das Ameisenmädchen. Aber das ist eine andere Geschichte.
Hallo, mein Name ist Herr MiM, und ich mache diesen Schwachsinn jetzt schon 19 Jahre. Und es werden noch einige Jahre dazu kommen.
Versprochen!
Für Schwachsinn war ich mir noch nie zu schade.
